On the Road again

Abschied ist ein scharfes Schwert und offensichtlich hat es unseren Sprinter getroffen. Seit wir am Sonntag von Arcadia aufgebrochen sind, verliert er Wasser. Weint er vielleicht? Aber es ist mehr als nur ein paar Tränentropfen, viel mehr als bisher. So viel, dass wir jede halbe Stunde anhalten, und Andreas Kühlwasser nachfüllt.

Deshalb verbringt Sprinterbaby mal wieder einen Tag mit ein paar Mercedesguys, diesmal in Hampton.

Es ist sonnig und warm und wir verbringen die Wartezeit auf angenehme Weise auf einem Spazierweg rund um eine Golfanlage.

Nicht so schön, ja für mich eher beängstigend ist, dass etwa alle 5 Minuten 1, 2 oder 3 Düsenjets über die Idylle hinwegdröhnen.

Wir haben sie bereits in den vergangenen Tagen von unserem Campingplatz „First Landing“ bei Virginia Beach – zu dem wir es gerade noch geschaft haben, ohne trocken zu laufen – aus gehört. Unsere erste Vermutung war, dass die US-Army jetzt doch in den Krieg zwischen Israel und dem Irak eingetreten ist. Aber das scheint nicht der Fall zu sein – noch nicht. Es gibt hier einfach eine Militärbasis und man zeigt gerne, was man hat.

Was den Krieg betrifft, fand ich interessant, was Matt, unser Wwoofing-Gastgeber, zum Einfluss bestimmter christlicher Strömungen hierzulande sagte: Der Glaube daran, dass wir uns in der biblisch angekündigten Endzeit befinden, sei stark verbreitet. Auf der Grundlage der Offenbarung des Sehers Johannes sei man überzeugt, dass wir auf einen großen Krieg zusteuern, in dem sich „ein Volk gegen das andere“, vor allem aber viele Völker gegen Israel erheben werden. Als christlicher Jude ist Johannes im 2. Jahrhundert n. Chr. davon überzeugt, dass Israel – mit Gottes Hilfe – diesen Kampf gewinnen wird. All die Völker, die ihre Schwerter gegen das ausersehene Volk richten, werden untergehen; alle, die an der Seite Israels kämpfen, werden mit ihm siegen.

Ich persönlich glaube, dass Johannes von der Zeit spricht, als unter den römischen Kaisern im zweiten und dritten Jahrhundert n. Chr. Christen und Juden verfolgt wurden, weil sie sich weigerten, sich vor dem Bild des Kaisers niederzuwerfen und darauf beharrten, dass es nur einen Gott gebe, den des Himmels und der Erde. Nur vor ihm wollten sie sich beugen. Damit verbunden ist die (esoterische) Überzeugung, dass im Himmel ein Kampf zwischen Gut und Böse stattfindet – aus dem das Gute schließlich siegreich hervorgehen wird. Allerdings wird dabei die Welt, so wie wir sie kennen, untergehen. Es wird „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ geben, auf der Frieden und Shalom herrschen und Leid und Tod nicht mehr sein werden.

In Anbetracht der delikaten politischen Weltlage, wird mir bewusst, wie gefährlich diese apokalyptischen Überzeugungen sein können; wie leicht sie sich in eine sich selbst erfüllenden Prophezeihung verwandeln können. Wenn in der Weise christlich geprägte Kreise, die ja einen signifikanten Anteil der Trump-Wählerschaft bilden, die Regierung zu pro-israelischen kriegerischen Aktionen drängen würden,… – und sicher fände man noch weitere Gründe…

Bisher sieht die Welt von hier aus noch friedlich aus.

4 Kommentare zu „On the Road again

  1. Deborah Müller

    …und zum großen Glück wissen wir nicht, was aus all den Prophezeiungen, Drohungen und Befürchtungen wird. – Es lebt zwar als leiser Schatten mit uns, denn so ganz lässt es sich bei der momentanen Weltlage nur schwer ausbremsen… Aber umso mehr müssen/dürfen wir jetzt das Licht leben und genießen – in der Hoffnung, dass nicht alles, was wir als Menschen (zumindest mit-)aufgebaut haben (neues Leben, Kulturgüter…) zerstört werden wird.

    Noch schöne letzte Wochen, frei von Zwischenfällen!
    Liebe Grüße aus Goldscheuer

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