Fourth of July

Es ist eine besondere Erfahrung, eine ganze Woche in einer ziemlich wenig aufregenden Gegend zu verbringen. Ganze 7 Tage und 7 Nächte bewegen wir uns im nahen Umkreis der Städtchen „Thomas“ und „Davis“ in West Verginia, die meiste Zeit davon im Wald, im Monongahela National Forest.

Hier kann man, wie in vielen (oder allen) National Forests bis zu zwei Wochen wild campen. Wir genießen die Ruhe und relative Kühle des Waldes. Und da wir über den Nationalfeiertag am 4. Juli hier sind, bekommen wir zwischendurch kleine Kostproben der Feiertagskultur hierzulande.

Am Samstag dann die Parade. Die in Thomas nicht ganz so groß ausfällt wie in Washington. Natürlich geht es um Fahrzeuge, zu Fuß geht hier niemand.

Wie bei unseren Faschings- oder Karnevalsumzügen werden Bobons von den Wagen geworfen. Nur ruft man hier nicht „Alaf!“ oder „Helau“, sondern „God bless America!“ Einige tragen Stars-and-Stripes-T-Shirts oder kleiden sich zumindest in den Nationalfarben.

Anschließend gibt es Live Musik und Art und Food Downtown.

Am Abend versammelt sich wieder die ganze Gemeinde zum Feuerwerk. Auch schön.

Und dann am Sonntag, zum krönenden Abschluss, gibt es noch ein Symphoniekonzert. Auch im Freien.

Dem Anlass entsprechend, wird das Konzert mit der Nationalhymne eröffnet. Alle erheben sich, rechte Hand aufs Herz. Die Stimmung ist feierlich. Bei einem weiteren Stück werden die Veteranen der Army geehrt. Wer gedient hat, erhebt sich. Stolz.

Unterdessen spielt sich im Süden des Landes, im Kerr-County in Texas, eine Tragödie ab. Eine Blitzflut lässt den Guadaluperiver innerhalb einer Stunde in der Nacht um acht Meter ansteigen. Autos und Häuser werden weggespült, mindestens 119 Menschen sterben. Ein junger Mann ertrinkt, nachdem er seine Eltern aus ihrem Wohnwagen gerettet hat. Etwa 40 Mädchen, die Teilnehmerinnen eines „christlichen Jugendcamps“ wurden in der Nacht von den Fluten mitgerissen, 27 von ihnen starben sicher, andere sind noch vermisst.

Die New York Times, die Andreas seit neuestem abonniert hat, berichtet, dass den Einsparbemühungen der Trumpregierung auch Mitarbeiter des nationalen Wetterdienstes zum Opfer gefallen sind – vor allem, ältere erfahrene Mitarbeiter. So auch der Mann, der dafür zuständig war, im Kerr County dafür zu sorgen, dass die Warnungen der Meteorologen tatsächlich bei den Leuten ankommen. Das hat diesmal nicht geklappt. Wer hört schon mitten in der Nacht Radio? –

Das ist nicht die erste große „Naturkatastrophe“ in den USA, von der wir gehört haben, seit wir auf diesem Kontinent unterwegs sind: da war der Hurricane, der Teile Floridas und anderer Südstaaten, sowie die Stadt Ashville in North Carolina verwüstet und für Erdrutsche gesorgt hat, die einige Straßen im Land, wie zum Beispiel den Blue Ridge Parkway, stellenweise unpassierbar gemacht hat. Und erst im Juni gab et eine große Flut im Nordwesten Virginias, bei der 9 Menschen starben.

Und das alles soll mit dem Klimawandel nichts zu tun haben?

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