„We are not National“

begrüßt uns die Frau am Eingang zum „Monument Valley“, als Andreas ihr unseren National-Park-Pass durch das Seitenfenster entgegenstreckt. Und tatsächlich unterscheidet sich dieser Naturpark schon auf den ersten Blick von den offiziellen Nationalparks: Wie in den anderen Nationalparks fährt man eine vorgegebene Route ab und steigt an markanten Punkten aus – für mich eine etwas gewöhnungsbedürftige Art, die Natur zu genießen. Aber hier kostet der Eintritt nur 8 $ statt 30 und die Fahrwege sind nicht geteert, sondern „dirt roads“. Der Reiseführer kündigt badewannengroße Löcher an. Andreas und „Sprinterbaby“ lassen sich dadurch natürlich nicht abschrecken.

Ich habe mich unterwegs manchmal gefragt, ob es letztlich nicht billiger gewesen wäre, wenn wir uns für 90$ (pro Person!) einer der angebotenen Jeeptouren angeschlossen hätten.

Die Ausblicke sind jedenfalls fantastisch, „gorgeous“, wie man hier sagt, und doch auch irgendwie vertraut.

Denn Hollywood hat schon früh Gefallen an der bizarren Kulisse gefunden und einige Western hier gedreht. Das war allerdings wohl nicht ganz billig, denn das Monument Valley liegt im Reservatsgebiet der Navajo Nation. Ich merke, dass ich eigentlich nichts über die Situaion der Indianer-Reservate weiß. Was wir sehen ist:

Einige weit verstreuten mehr oder weniger kleine Holzhäuser mit vielen (Schrott-) Autos drumherum. Bis auf die Durchfahrtsstraße sind sämtliche Wege nicht asphaltiert. Von der Straße aus sehen wir einige kleine Ölbohrungen und eine Wasserverteilstation, so, als sei fließendes Wasser keine Selbstverständlichkeit.

In meiner idealistischen Vorstellung hat ein Teil dieser uns ärmlich erscheinenden Lebensweise mit Wertvorstellungen zu tun, die sich von denen unserer Komfort-Konsum-Gesellschaft unterscheiden. Der bescheidene Baustiel, und dass die Straßen nicht asphaltiert sind, könnte damit zu tun haben, dass die Navajo, wie wir es auch von anderen First Peoples gehört haben, der Bewahrung des Landes, eine große Bedeutung geben. Traditionell leben sie wohl eher als Viehhirten, haben Rinder, Schafe oder Pferde. Wir haben allerdings nur vereinzelte kleine Herden gesehen.

Was ich bei Wikipedia u.a. finde, klingt besorgniserregend: Hohe Alkoholismusrate, Krankheiten wie Diabetes und Krebs sind signifikant weiter verbreitet als im US-Durchschnitt, die Kindersterblichkeit ist relativ hoch und viele Kinder und Jugendliche scheinen Probleme zu haben, staatlich anerkannte Schulabschluss zu erzielen.

Andererseits ist zu lesen, dass gerade die Navajo ein Gebiet bewohnen, das reich an Bodenschätzen, Öl, Gas, Kohle und Uran ist. Auch wenn sie damit zukünftig hoffentlich keine Gewinne mehr erzielen können, frage ich mich, wohin ist das Geld bisher geflossen? Nicht zuletzt bringt wohl auch das Monument Valley Geld ein …

Bei den Männern, die dort an grob zusammengezimmerten Ständen Schmuck, Traumfänger und Friedenspfeiffen anbieten, meine ich eine gewisse Resignation gespürt zu haben. Was macht es mit Menschen, ihre traditionellen Handwerkskünste, ihre traditionellen Symbole, ihre Rituale und vor allem ihr Land an Touristen verkaufen oder verramschen zu müssen, um überhaupt dort weiterleben zu können?

Andererseits scheinen die Strukturen der Selbstverwaltung zumindest in der Vergangenheit ziemlich korrupt gewesen zu sein. Wie etabliert man westliche Regierungsformen in einer Stammeskuktur?

Welche internen Auseinandersetzungen mag es zwischen reform- oder anpassungswilligen Indianern und „Traditionalisten“ geben? Wie wird das Geld, das z. B. im Monument Valley eingenommen wird, verteilt? Sind die First Peoples in der US-Regierung repräsentiert? Während der Obama-Administration haben die Navajo wohl eine erhebliche Entschädigungszahlung bekommen, weil durch den Uranbergbau auf ihrem Gebiet, viele von Krankheiten und Missbildungen betroffen waren und sind. Aber Geld kann eben nicht die tieferen Wunden, die durch Krankheit und Tod in Menschen und Familien entstanden sind, heilen. Kann überhaupt Geld in irgendeiner Weise aufwiegen, was sie seit der Einwanderung der Europäer verloren haben? Solche Fragen bleiben für mich offen.

2 Kommentare zu „„We are not National“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert